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Einführung – Neuere deutsche Literaturgeschichte online

In 17 Folgen wollen wir einen Einblick in die auffälligsten Entwicklungslinien der Neueren deutschsprachigen Literatur geben: von deren Anfängen im 17. Jahrhundert bis hinein in die 1930er Jahre – danach aber gestalten sich die Dinge gar zu komplex, als dass man sie noch in gleicher Weise auf den Punkt bringen könnte. – Je weiter sie zurückliegen, desto kompakter stellen sich die Verhältnisse nun einmal dar, und je mehr man sich der Gegenwart nähert, desto heikler wird es, wenn man die großen Linien aufzeigen will.

Zuvor aber gilt es erst noch – einleitend! – die allgemeinen Voraussetzungen unseres Vorgehens zu erläutern:

Wir stützen uns – im Großen und Ganzen – auf die Unterscheidung von vier Haupt-Abschnitten der Neueren deutschen Literatur:

Barock bzw. 17. Jahrhundert

Aufklärung bzw. 18. Jahrhundert

Romantik (vom späten 18. Jahrhundert bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus

– und schließlich Moderne: vom Ende des 19. Jahrhunderts zum frühen 20. Jahrhundert.

A1 Literatur des Barock : Barockes Denken

Die Dichtung des 17. Jahrhunderts unterscheidet sich gründlich von denjenigen Formen der Literatur, die sich im Laufe des 18. Jahrhunderts durchgesetzt haben und den Geschmack bis heute prägen. Um diesem barocken Schreiben gerecht zu werden, kommt es darauf an, sich die Besonderheiten des Denkens ›vor der Aufklärung‹ bewusst zu machen.

Leicht ist es, den Beginn der Epoche Barock zu datieren. Er fällt fraglos in das Jahr 1624, als Martin Opitz’ Buch von der Deutschen Poeterey die Poesie seiner Zeit schlagartig verändert, indem es dem Barock-Stil zum Durchbruch verhilft. Im Folgenden geht es zunächst um die allgemeinen Bedingungen, unter denen das Buch von der Deutschen Poeterey seine Wirkung entfaltet hat.

A2 Literatur des Barock : Barocke Lyrik

In dieser Folge von Neuere deutsche Literaturgeschichte online geht es um die Lyrik der Barockzeit – und für das 17. Jahrhundert ist die Lyrik mit Sicherheit diejenige Art von Dichtung, an der sich die Eigenheiten jener Zeit besonders deutlich zeigen. Damit sind wir ein weiteres Mal bei Martin Opitz und seinem Buch von der deutschen Poeterey, von dem ab man in der deutschen Dichtung mit gutem Recht von einem ›barocken‹ Stil sprechen darf. Konkret heißt das, dass Martin Opitz durch seine Literaturreform eine Hochstil-Dichtung auch in deutscher Sprache möglich gemacht hat, indem er die in den romanischen Sprachen entwickelten Regeln auf seine Muttersprache übertrug, die deutsche Dichtung also nach romanischen Mustern regulierte.

A3 Literatur des Barock : Barockes Drama

Von der barocken Theaterkultur haben wir nur sehr beschränkte Kenntnis, und die heute noch bekannten Autoren bzw. Werke sind zu ihrer Zeit bestimmt weniger dominant gewesen, als die Literaturgeschichtsschreibung vermuten lässt. Wir wissen im Grunde nur noch von dem, was schriftlich fixiert worden ist: kennen als kaum die Bühnenpraxis, sondern mehr oder weniger nur die Texte mit literarischem Anspruch. – Mit wenigen Ausnahmen heißt das: Überlebt haben in erster Linie diejenigen Dramen, die sich an die Regeln von Opitz’ Buch von der deutschen Poeterey halten.

A4 Literatur des Barock : Barocke Romane

Die Romane des 17. Jahrhunderts sind beinahe alle so gut wie vergessen und längst nur noch eine Sache der Literaturwissenschaft. Für den Roman in deutscher Sprache ist nur eine einzige Ausnahme zu nennen: Grimmelshausens Simplicissimus, auf den sich die folgenden Ausführungen daher auch konzentrieren werden. Die moderne Erfolgsgeschichte des Romans setzt gewissermaßen erst im 17. Jahrhundert ein. In den Poetiken der Antike kommt die Gattung nicht vor, und überhaupt steht das ausgedehnte Erzählen in Prosa immer im Verdacht, seiner kunstlosen Sprache bei eher reißerischer Thematik literarisch minderwertig zu sein.

B1 Literatur der Aufklärung : Grundzüge der Aufklärung

Diese Folge von Literaturgeschichte Online beschäftigt sich mit dem 18. Jahrhundert, d. h. mit dem Übergang vom Barock zur Aufklärung! Das ist ein gewissermaßen ›kurzes‹ Jahrhundert, weil sich die neuen Ideen im Denken und Schreiben erst gegen 1730 durchsetzen und deutlich vor dem Jahr 1800 schon wieder zweifelhaft werden, als man es mit dem zu tun bekommt, was Romantik genannt wird und einige der aufklärerischen Lieblingsideen sehr in Zweifel setzt. Was nun ›Aufklärung‹ heißt, lässt sich vielleicht am besten als Hinwendung zur Diesseitigkeit charakterisieren: Die tatsächliche Lebenswelt wird nicht mehr – mit Blick auf ein ewiges Jenseits – abgewertet, sondern rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

B2 Literatur der Aufklärung : Frühaufklärung

Das markanteste Abgrenzungsereignis, mit dem sich die Frühaufklärung von ihren barocken Konventionen entfernt, lässt sich im Erscheinen von Johann Christoph Gottscheds Versuch einer critischen Dichtkunst 1729 erkennen. Gut hundert Jahre nach Martin Opitz’ Buch von der deutschen Poeterey propagiert der Leipziger Philosophie-Professor darin eine neue Auffassung von Literatur, die sich im Unterschied zur forcierten Bildhaftigkeit des Barockstils als entschieden ›natürlich‹ versteht und in frühaufklärerischem Geist verlangt, dass die Dichtung zuallererst ›nützlich‹ zu sein hat.

B3 Literatur der Aufklärung : Hochaufklärung

In dieser Folge von Neuere deutsche Literaturgeschichte online geht es um die sog. ›Hochaufklärung‹ – um die Literatur also, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ist – oder genauer: bald nach 1750. Die Einteilung in Früh-, Hoch- und Spätaufklärung ist zweifellos oberflächlich, hat sich aber dennoch aus gutem Grund eingebürgert, da sich tatsächlich auffällige Veränderungen feststellen lassen: Ist die Frühaufklärung in noch barocker Tradition entschieden rationalistisch ausgerichtet, so zeigt sich in der Hochaufklärung eine entschiedene Aufwertung der menschlichen Sinnlichkeit, speziell der Emotionalität, die dann im Zuge der Spätaufklärung bereits wieder als Problem erkannt wird, dem es erneut Zügel anzulegen gilt.

B4 Literatur der Aufklärung : Spätaufklärung – Sturm und Drang

Die ›Spätaufklärung‹ ist die dritte Phase der Aufklärung nach der Frühaufklärung und der Hochaufklärung. Die Rede von einer Spätaufklärung ab den 1770er Jahren, die den Gefühlsoptimismus der 1750-, 1760er Jahre wieder mit skeptischeren Augen sieht, ist auch in der Tat seit langem geläufig. Das zuvor etablierte Schlagwort ›Sturm und Drang‹ braucht trotzdem nicht unbedingt verabschiedet zu werden, weil es konkreter ist als ›Spätaufklärung‹, bezeichnet es doch einen zentralen Impetus der damals neuen, jungen Dichter-Generation: die enthusiastische Ablehnung aller traditionellen Poetik-Regeln, wie sie namentlich in Frankreich noch immer Geltung hatten. Ganz so irrational, so gefühlsselig, wie es auf den ersten Blick aussehen mochte, stellen sich die Dichtungen der Stürmer und Dränger letztlich zwar gar nicht dar, doch sind die Unterschiede zur vernünftigeren Literatur der Jahrhundert-Mitte ebenso beabsichtigt wie auffällig.

C1 Literatur der Romantik : Differenz klassisch / romantisch

Klassik und Romantik sind in der deutschsprachigen Literatur nicht als zwei getrennte Epochen zu behandeln, sondern als Stil-Varianten, die gegenläufige Lösungen für ein gemeinsames Problem suchen. Insofern wäre besser von Klassizismus und Romantizismus zu sprechen, während der übergeordnete Epochen-Begriff wohl am besten ›Romantik‹ heißt – auch wenn damit die Gefahr eines Missverständnisses einhergeht. ›Romantik‹ ist jedenfalls diejenige Bezeichnung, die etwa die englische oder französische Literaturgeschichtssschreibung für die Zeit ab dem späten 18. Jahrhundert schon immer verwendet – an diese Praxis lässt sich gut anschließen.

C2 Literatur der Romantik : Frühromantik

Dieses Mal geht es um die Grundideen der Frühromantik um 1800, die sich als sehr nachdrückliche Kritik am Rationalismus der Aufklärung des 18. Jahrhunderts gibt – richtiger dürfte es allerdings sein, von einer Selbstaufklärung der Aufklärung über deren eigene Illusionen zu sprechen.

C3 Literatur der Romantik : Weimarer Klassik

In dieser Folge von Neue deutsche Literaturgeschichte online wird die sogenannte ›Weimarer Klassik‹ als Stil-Alternative zur Jenenser Frühromantik erläutert.

C4 Literatur der Romantik : Realismus

Die 13. Folge von Literaturgeschichte online widmet sich dem ›Realismus‹ – mit derjenigen Stil-Epoche also, die aus der Romantik hervorgegangen ist und die mehr oder weniger das ganze 19. Jahrhundert geprägt hat.

D1 Poetik der Moderne

In dieser Folge von Literaturgeschichte online wird das Grundprinzip erläutert, das die unterschiedlichen Tendenzen um 1900 verbindet: den Naturalismus ebenso wie den Expressionismus und das, was man vielleicht Symbolismus nennen kann. Aber das kommt erst in der 14. und 15. Folge zur Sprache – geht es vielmehr um das Selbstverständnis der Moderne als Moderne, deren Kunst sich bewusst gegen alle Tradition abgrenzt. – Natürlich ist auch dieses Modernitätsbewusstsein wiederum auf die Romantik zurückzuführen: auf deren künstlerische Zentral-Intuition, der klassischen Vollkommenheit antiker Schönheit nicht mehr fähig zu sein und daher eigene, immer neue suchen zu müssen.

D2 Poetik der Moderne : Naturalismus / Symbolismus

Dieses Mal geht es um zwei ungefähr gleichzeitige, motivisch-formal jedoch stark voneinander abweichende Stilvarianten der Moderne im späten 19. Jahrhundert: um Naturalismus und Symbolismus – Symbolismus ist dabei ein Begriff, den die betreffenden Autoren selbst zwar vermieden haben, aber einen treffenderen gibt es wohl nicht, denn um einen strikten Ästhetizismus handelt es sich auch im Falle des Naturalismus.

D3 Poetik der Moderne : Expressionismus

Was diese Stilepoche des Expressionismus auszeichnet, ist ein den verschiedenen Künsten gemeinsames Gestaltungsprinzip, das sich als Verfremdung durch ›Verzerrung‹ bezeichnen lässt: Jede Darstellung bleibt vordergründig gegenständlich-realistisch, ist aber ins Extrem getrieben – oder besser gesagt: gegen den Strich gebürstet.

Für die Malerei hat Wassily Kandinsky erläutert, warum es einem modernen Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr möglich sein soll, naturgetreu abzubilden.

D4 Poetik der Moderne : Neue Sachlichkeit

Mit den Ausführungen zur Neuen Sachlichkeit – in etwa also zu literarischen Innovationen um 1930 – schließt nicht nur Abriss zum Themenkomplex ›Moderne‹; mit ihnen kommt auch der gesamte Überblick über die Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit dem 17. Jahrhundert zu seinem Ende – alles darauf Folgende ist aufgrund seiner gesteigerten Komplexität  und zugleich aufgrund der noch allzu großen Nähe der Ereignisse bis auf Weiteres zu unübersichtlich, um in gleicher Weise abgehandelt zu werden.